Die Ausschüsse des schwedischen Reichstags legten am 20. Februar außergewöhnliche fünfundzwanzig Berichte vor – vierzehn allein vom Sozialversicherungsausschuss –, die systematisch nahezu jeden Aspekt des nationalen Einwanderungs-, Asyl-, Staatsbürgerschafts- und Sozialversicherungsrahmens neu schreiben. Gepaart mit zehn Berichten des Energie- und Industrieausschusses, die Schwedens Atomkraftausbau vorantreiben und die Stromregulierung grundlegend reformieren, markiert der Tag die bedeutsamste gesetzgeberische Leistung der Sitzungsperiode 2025/26 und stellt den vollständigsten parlamentarischen Ausdruck des Politikprogramms der Tidö-Vereinbarungskoalition bis heute dar.
Der entscheidende Moment des Tages: Eine Immigrationsreform an einem einzigen Tag
Vierzehn Berichte des Sozialversicherungsausschusses (SfU) trafen gleichzeitig ein, jeder verarbeitet eine Regierungsvorlage, die eine andere Dimension schwedischer Migrations- und Sozialpolitik verschärft, einschränkt oder umstrukturiert. Die schiere Breite ist ohne jüngeren Präzedenzfall: strengere Staatsbürgerschaftsanforderungen (SfU28), härtere Abschiebungsregeln für Straftäter (SfU33), erhöhte Verhaltensstandards für Aufenthaltsgenehmigungen (SfU36), verstärkte Rückführungs- und Einwanderungskontrolloperationen (SfU32), ein vollständig neues Aufnahmegesetz (SfU35), die Abschaffung unbefristeter Aufenthaltsgenehmigungen und die Angleichung an den EU-Migrations- und Asylpakt (SfU30) sowie einen neuen Rahmen für Haft und Aufsicht (SfU31).
Der Ausschuss bearbeitete außerdem Reformen zur Sozialversicherungsqualifikation (SfU21) – die politisch hochbrisante Frage, ob Einwanderer sich ihren Weg in den Wohlfahrtsstaat verdienen müssen – neben neuen Antragsverfahren für Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen (SfU27), Rentenüberschussverteilung (SfU25), Leistungssanktionen (SfU26), Genauigkeit des Wohngelds (SfU24) und Anpassungen für kontrolliertes Wohnen und Sicherheitsverwahrung (SfU29). Ein Bericht des Nationalen Rechnungshofs über Haftoperationen (SfU34) rundet das Paket ab.
Zusammengenommen stellen diese vierzehn Berichte den gesetzgeberischen Höhepunkt des Einwanderungskapitels der Tidö-Vereinbarung dar. Die Regierungskoalition aus Moderaten, Christdemokraten und Liberalen – mit parlamentarischer Unterstützung der Schwedendemokraten – hat seit 2022 eine der dramatischsten migrationspolitischen Wenden Europas vollzogen. Die heutige Leistung verwandelt politische Verpflichtungen in parlamentarische Realität. Die Berichte gehen nun zu Kammerabstimmungen über, wo die Regierungsmehrheit die Annahme sicherstellen sollte, wo aber Oppositionsparteien in dem, was die hitzigsten Debatten der Sitzungsperiode verspricht, zu Wort kommen werden.
Parlamentarischer Puls
Die Kammer veranstaltete mehrere Interpellationsdebatten, die politische Spannungen über das gesamte politische Spektrum hinweg beleuchteten. Klima- und Umweltministerin Romina Pourmokhtari (L) sah sich Fragen der Linkspartei-Abgeordneten Andrea Andersson Tay zum Risiko eines Ökosystemzusammenbruchs gegenüber – eine Debatte, die die Kluft zwischen der Klimarhetorik der Regierung und den Alarmrufen der Umweltkritiker über Biodiversitätsverluste offenlegte. Zivilminister Erik Slottner (KD) beantwortete Interpellationen sowohl zu den Ressourcen der schwedischen Verbraucherschutzbehörde als auch zur Entschädigung von Grundstückseigentümern, die von Infrastrukturprojekten betroffen sind, was den Druck der Zentrumspartei in ländlichen Angelegenheiten widerspiegelt.
Finanzmarktminister Niklas Wykman (M) führte einen langwierigen Schlagabtausch mit der Sozialdemokratin Ida Ekeroth Clausson über Überschuldung und Zwangsräumungen – eine Debatte, die erschwinglichen Wohnraum als Wahlkampfschauplatz vorzeichnet. Sozialminister Jakob Forssmed (KD) beantwortete Fragen zu den Präventionsaufgaben der Psychiatrie im Bereich Kriminalität und berührte damit das zunehmend wichtige Spannungsfeld zwischen Gesundheits- und Justizpolitik im schwedischen Diskurs.
Regierungsbeobachtung
Die Pressearbeit der Regierung am 20. Februar konzentrierte sich auf die Einwanderung: Pressemitteilungen hoben verbesserte Bedingungen für ausländische Doktorandinnen, Doktoranden und Forschende hervor (als Reaktion auf SfU23) sowie den neuen Rechtsrahmen für Ausländer, die wegen vorübergehender Vollstreckungshindernisse nicht abgeschoben werden können. Die doppelte Botschaft – qualifizierte Zuwanderung willkommen zu heißen und gleichzeitig das Asylrecht zu verschärfen – spiegelt den Versuch der Koalition wider, zugleich Kompetenzanwerbung und Grenzkontrolle zu demonstrieren.
Im Energiebereich wurde am 17. Februar ein wichtiger Regierungsbericht (SOU) zur vermögensorientierten Kriminalprävention veröffentlicht, mit Auswirkungen darauf, wie Schweden die finanzielle Infrastruktur krimineller Organisationen ins Visier nimmt – ein Thema, das über die in der schwedischen Debatte dominierenden Bandenkriminalitäts-Narrative mit der Durchsetzung des Ausländerrechts verknüpft ist.
Oppositionsdynamik
Die Sozialdemokraten reichten am 20. Februar acht Interpellationen ein und signalisierten damit eine bewusste Strategie, mehrere Fronten gegen die Regierung zu eröffnen. Linus Skölds Interpellation, die ein Verbot gewinnorientierter Schulgründungen fordert, zielt auf eine klassische schwedische Links-rechts-Konfliktlinie ab. Fragen zu Nachtzugverbindungen in Nordschweden, Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen, der Ausweitung des Antidiskriminierungsrechts und der Fachkräfteversorgung in den Bergbauregionen Malmfälten zeichnen gemeinsam ein Bild von S als der Partei der öffentlichen Daseinsvorsorge und regionalen Gerechtigkeit – ein scharfer Kontrast zum Fokus der Regierung auf Sicherheit und Einwanderung.
Die einzige Interpellation der Schwedendemokraten – zur Haltung von Schulkindern gegenüber Minderheiten – fällt durch ihre Seltenheit auf; SD konzentriert sich typischerweise stärker auf schriftliche Anfragen als auf Interpellationsdebatten, was darauf hindeutet, dass dieses Thema für die Partei besondere politische Bedeutung hat. Die frühere schriftliche Frage der Grünen zu den Einwänden von Anhörungsgremien gegen die Qualifikationsanforderungen für Sozialleistungen (eingereicht am 19. Februar) deutet auf eine anhaltende Oppositionskampagne gegen SfU21 hin.
Ausblick
Die heute veröffentlichten fünfundzwanzig Ausschussberichte werden die Tagesordnung der Kammer in den kommenden Wochen bestimmen. Das Einwanderungspaket – insbesondere die Staatsbürgerschaftsanforderungen (SfU28), die Abschiebungsregeln (SfU33) und die Abschaffung der Niederlassungserlaubnis (SfU30) – wird die politisch aufgeladensten Plenardebatten auslösen. Die Energieberichte genießen, obwohl für Schwedens industrielle Zukunft ebenso bedeutsam, eine breitere parteiübergreifende Unterstützung und dürften reibungsloser verabschiedet werden.
Mit dem Näherrücken der Wahl 2026 signalisiert der heutige Gesetzgebungsschub die Entschlossenheit der Regierung, ihr Politikprogramm in Gesetze umzuwandeln, bevor die Wahlkampfphase die parlamentarische Arbeit einschränkt. Die Opposition muss nun zeigen, dass diese Reformen unzureichend, übertrieben oder schlecht umgesetzt sind – eine Debatte, die die schwedische Politik durch den Frühling prägen wird.
In Zahlen
- 25 Ausschussberichte am 20. Februar veröffentlicht – die größte Tagesleistung der Sitzungsperiode
- 14 Sozialversicherungsausschussberichte schreiben Einwanderungs-, Asyl- und Wohlfahrtsrecht neu
- 10 Energie- und Industrieausschussberichte treiben Atomkraft- und Stromreform voran
- 8 von Sozialdemokraten eingereichte Interpellationen fordern Regierungspolitik heraus
- 6 verschiedene Minister engagierten sich in Interpellationsdebatten in der Kammer
- 1 Schwedendemokraten-Interpellation zu Schulhaltungen gegenüber Minderheiten
Was nächste Woche zu beobachten ist
- Einwanderungs-Plenardebatten: Das SfU-Paket – insbesondere Staatsbürgerschaft (SfU28), Abschiebung (SfU33) und Aufhebung der Niederlassungserlaubnis (SfU30) – wird Regierungskohäsion und Oppositionsstrategie auf die Probe stellen
- Atomkraftausbau-Debatte: NU24 zu neuen küstennahen Atomkraftstandorten und NU19 zu vereinfachten Anlagenprüfungen stellen Schwedens bedeutsamste Energiepolitikwende seit einer Generation dar
- Kampf um Wohlfahrtsqualifikation: SfU21 zur Sozialversicherungsqualifikation bleibt die politisch explosivste Vorlage, wobei Anhörungsgremien bereits Kritik äußern
- Vorwahlpositionierung: Mit der bevorstehenden Wahl 2026 ist die strategische Reaktion der Oppositionsparteien auf den gesetzgeberischen Blitzschlag der Regierung zu beobachten