Neues Waffengesetz, Bekämpfung von Mehrwertsteuerbetrug und ein Gesetzgebungsmarathon: Schwedens Reichstag auf Hochtouren

Neun Regierungsvorlagen an einem einzigen Tag. Zwei Berichte des Steuerausschusses zur grenzüberschreitenden Finanzintegrität. Vier schriftliche Anfragen, die von der Pferdewirtschaft bis zum Drogenschmuggel reichen. Der Dienstag, 17. Februar, mag die Dramatik einer Vertrauensabstimmung vermissen lassen, offenbart aber eine Regierungsmaschinerie auf Hochtouren — und eine Opposition, die Mühe hat, Schritt zu halten.

Die Hauptgeschichte des Tages: Eine Gesetzgebungslawine der Regierung Kristersson

Das schiere Volumen der heute eingebrachten Regierungsvorlagen – neun Stück aus vier Ressorts – stellt die bislang produktivste gesetzgeberische Tagesleistung der Parlamentssession 2025/26 dar. Die Vorlagen reichen von technisch hochkomplexen Fragen (Prop. 2025/26:126, die Meldepflichten für Unternehmen der E‑Identifizierung vorsieht) bis hin zu politisch weitreichenden Projekten (Prop. 2025/26:141, eine umfassende Überarbeitung des schwedischen Waffengesetzes).

Das neue Waffengesetz verdient besondere Aufmerksamkeit. Prop. 2025/26:141, erarbeitet im Justizministerium, kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Schweden mit der akutesten Bandenkrise Europas ringt. Die bestehende Waffengesetzgebung, ein Flickenteppich aus über Jahrzehnte hinweg ergänzten Regelungen, wurde seit Langem dafür kritisiert, mit den Realitäten der organisierten Kriminalität nicht Schritt zu halten. Das neue Gesetz verspricht eine grundlegende Modernisierung von Grund auf – abgestimmt auf das wegweisende SOU-Gutachten der vergangenen Woche zur Kriminalisierung der Bandenmitgliedschaft.

Parallel dazu zeichnete das Finanzministerium für vier der heutigen neun Regierungsvorlagen verantwortlich. Prop. 2025/26:128 zielt auf Mehrwertsteuerbetrug ab – ein wachsendes Problem, da der grenzüberschreitende E‑Commerce die traditionellen Durchsetzungsmechanismen aushöhlt. Prop. 2025/26:129 stärkt die Transparenz im Register der wirtschaftlich Berechtigten, während Prop. 2025/26:116 eine neue operative Krisenmanagementfunktion für den Finanzsektor einführt. Zusammengenommen skizzieren diese Vorlagen eine Regierung, die die Abwehrmechanismen des Finanzsystems gegen kriminelle Ausnutzung und systemische Risiken gleichermaßen stärken will.

Das Verteidigungsministerium bringt mit Prop. 2025/26:123 verbesserte Kontrollen über explosionsgefährliche Stoffe ein – eine direkte Reaktion auf die Zunahme von Sprengstoffanschlägen im Zusammenhang mit kriminellen Netzwerken. Und aus dem Ministerium für Klima und Unternehmen adressiert Prop. 2025/26:122 die Kritik des schwedischen Nationalen Rechnungshofs am Evaluierungsrahmen der Regierung für die Klimapolitik und räumt – zumindest implizit – ein, dass die Architektur der schwedischen Klimagovernance verstärkt werden muss.

Parlamentarischer Puls

Der Steuerausschuss (SkU) war heute das aktivste parlamentarische Gremium und veröffentlichte zwei Berichte, die gemeinsam die Integrität der finanziellen Grenzen Schwedens in den Blick nehmen. Der Ausschussbericht SkU19 befasst sich mit Kontrollen von Bargeldbewegungen an Schwedens Binnengrenzen – eine Maßnahme, die an Dringlichkeit gewinnt, während im Schengen-Raum über das Grenzmanagement nach der Pandemie debattiert wird. SkU10, zu zukünftigen Datenschutzrahmen für die Steuerbehörde, den Zoll und die Vollstreckungsbehörde, adressiert die immer wiederkehrende Spannung zwischen wirksamer Steuerdurchsetzung und dem Schutz der Privatsphäre.

Diese Berichte folgen auf eine produktive Phase im Ausschusssystem des Reichstags. Seit dem 10. Februar haben acht Ausschüsse Berichte vorgelegt, die Themen wie Handelspolitik, Tierschutz, Reform des Elternurlaubs, Wohnrechte, Verkehr und Bildung abdecken. Das gesetzgeberische Förderband der Frühjahrssession läuft auf Hochtouren, und in den kommenden Tagen werden Plenarabstimmungen über mehrere dieser Berichte erwartet.

Auf Interpellationsebene erlebte die Kammer heute lebhafte Debatten. Infrastrukturminister Andreas Carlson (KD) musste sich mehreren Fragerunden zu Fahrzeugumweltkontrollen (Interpellation 2025/26:317) und Transportrechten für Menschen mit Behinderung (2025/26:211) stellen. Arbeitsmarktminister Johan Britz (L) verteidigte die Politik zu Wiedereinstellungsrechten (2025/26:303). Hilfsminister Benjamin Dousa (M) stritt mit den Sozialdemokraten über Demokratiehilfe für Iran (2025/26:310). Justizminister Gunnar Strömmer (M) sah sich Fragen zum Mieterschutz bei Renovierungen (2025/26:287, 314) und zu polizeilichen Drohnenfähigkeiten (2025/26:302) gegenüber.

Regierungsbeobachtung

Über die heutige Propositionslawine hinaus blieb auch am Wochenende der Kommunikationsapparat der Regierung aktiv. Pressemitteilungen verkündeten die Verlängerung von Migrationshilfsprojekten in Afghanistan, die Teilnahme von Finanzministerin Svantesson an der Ecofin-Ratssitzung der EU, eine hochrangige Veranstaltung zur Unterstützung des ukrainischen Transportsektors, eine neue Strategie für Reformkooperation mit Osteuropa, dem westlichen Balkan und der Türkei sowie eine verstärkte Unterstützung für junge Menschen, die geschützte Jugendfürsorgeeinrichtungen verlassen.

Die Ecofin-Teilnahme verdient im Kontext Beachtung: Schwedens fiskalische Positionierung innerhalb der EU ist komplexer geworden, da die Eurozone mit divergierenden Wachstumspfaden konfrontiert ist. Svantesson Engagement signalisiert, dass Stockholm trotz — oder vielleicht gerade wegen — des Nicht-Euro-Status Schwedens eine aktive Stimme in der europäischen Wirtschaftsgovernance bleiben will.

Auf Konsultationsebene verbreitete die Regierung zwei größere Untersuchungen zur Stellungnahme: den umstrittenen Vorschlag zu strengeren Bedingungen für Freischschulen (SOU zu "Skärpta villkor för friskolesektorn") sowie eine Überprüfung der Radio- und Fernsehverbreitung in der neuen Medienlandschaft (SOU 2025:116). Beide Konsultationen tragen erhebliches politisches Gewicht mit Blick auf die Vorwahlperiode 2026.

Oppositionsdynamik

Die vier schriftlichen Anfragen von heute offenbaren eine sich diversifizierende Oppositionsstrategie. Centerpartiets Stina Larsson reichte eine Frage zur Pferdewirtschaft (HD11517) an Minister für ländliche Angelegenheiten Peter Kullgren (KD) ein — ein Nischenthema, das dennoch in ländlichen Wahlkreisen Widerhall findet, wo C um Unterstützung kämpft. Die Frage der Schwedendemokraten zur Unterstützung iranischer Meinungsfreiheitsaktivisten (HD11518) positioniert die Partei auf der Seite der Menschenrechtsverteidigung und verkompliziert das übliche Narrativ von SD als ausschließlich Einwanderungsrestriktionspartei.

Am bedeutsamsten ist, dass die Sozialdemokraten zwei Fragen zum Drogenschmuggel einreichten: HD11520 zur fehlenden Scannerausrüstung an Häfen und HD11519 zum containerbasierten Drogenhandel. Diese Fragen zielen auf eine sichtbare politische Schwachstelle — die Regierung hat die Bekämpfung der organisierten Kriminalität zu ihrer obersten Priorität gemacht, doch die Opposition argumentiert, dass grundlegende Durchsetzungsinfrastruktur weiterhin unzureichend ist. Es ist eine scharfe Kritik: Man kann Drogenbanden nicht bekämpfen, wenn man ihre Lieferketten nicht unterbrechen kann.

Die gestrige Interpellation von S zur Parkplatz-Mehrwertsteuer (HD10341) — eine Wiederholung einer Frage vom November 2025 — und SDs explosive Anfrage zu schwedischen diplomatischen Verbindungen zu Jeffrey Epstein (HD11516) demonstrieren die Bandbreite an Instrumenten, die die Opposition einsetzt. Die hartnäckige Parkplatz-Mehrwertsteuerfrage deutet auf bürokratische Trägheit hin, die die Regierung nicht zu lösen vermocht hat; die Epstein-Frage sichert Medienaufmerksamkeit für ein Thema, das die Regierung lieber vermeiden würde.

Ausblick

Der Mittwoch verspricht weitere Ausschussaktivitäten, da die diese Woche veröffentlichten Berichte ihren Weg zu Plenarablimmungen beginnen. Die ergänzende Haushaltsänderung des Finanzausschusses (FiU46) steht noch aus, und die Welle der heute eingebrachten Propositionenen wird zur Beratung an die zuständigen Fachausschüsse verteilt — ein Prozess, der die Agenda des Reichstags für die kommenden Wochen prägen wird.

Die Waffengesetzüberarbeitung (Prop. 2025/26:141) dürfte den politischen Diskurs dominieren, sobald Details bekannt werden. In Kombination mit dem SOU zur Kriminalisierung der Bandenmitgliedschaft von letzter Woche konstruiert die Regierung ein gewaltiges Sicherheitsgesetzpaket, das die Fähigkeit der Oppositionsparteien auf die Probe stellen wird, kohärente Alternativen anzubieten. Für die Sozialdemokraten ist die Herausforderung besonders akut: Wie kann man spezifische Regelungen kritisieren und gleichzeitig den echten öffentlichen Ruf nach stärkerem Vorgehen gegen Bandengewalt anerkennen.

In Zahlen

  • 9 government propositions tabled today (4 Finance, 2 Justice, 1 Defence, 1 Climate/Enterprise, 1 Rural Affairs)
  • 2 Tax Committee reports published today (SkU19 on border cash controls, SkU10 on data protection)
  • 4 written questions filed today (1 C, 1 SD, 2 S)
  • 7 interpellation debates held today (spanning transport, disability, labour, foreign aid, culture, housing, policing)
  • 144 total propositions this session (2025/26)
  • 520 written questions filed this session
  • 341 interpellations filed this session
  • 3,904 motions filed this session

Was diese Woche zu beachten ist

  • Weapons Law Debate: Prop. 2025/26:141 will be referred to the Justice Committee — expect intense scrutiny of provisions that could affect lawful gun owners alongside criminal enforcement.
  • VAT Fraud Measures: The Finance Department's anti-fraud proposition (Prop. 2025/26:128) enters committee review — implementation details will determine its effectiveness against cross-border schemes.
  • Drug Smuggling Scrutiny: S's written questions on scanner equipment (HD11520) and container trafficking (HD11519) may prompt government response on enforcement infrastructure gaps.
  • Committee Report Votes: Multiple committee reports from the past fortnight are approaching floor vote stage — coalition voting discipline will be tested across diverse policy areas.
  • Free School Consultation: Responses to the stricter independent school conditions proposal will reveal the political fault lines ahead of the 2026 election.