Schwedens Riksdag in der Frühjahrspaüse: Eine Halbzeitbewertung der Gesetzgebungsbilanz der Tidö-Regierung

Mit 2.308 gemeldeten Regelverstößen unter 2.494 überwachten Politikern offenbart die Parlamentssitzung eine Regierung, die Koalitionsarithmetik nur schwer in legislativen Schwung umsetzen kann

Dieser Artikel basiert auf automatisierter Analyse schwedischer Parlamentsdaten.

Während der schwedische Riksdag in den ruhigeren Rhythmus eines Donnerstags Mitte Februar eintaucht, verdichtet sich das Gesamtbild der Parlamentssitzung 2025/26 zu einer eher unbequemen Lage für die Koalitionsregierung von Premierminister Ulf Kristersson. Die Zahlen erzählen die Geschichte eines Ehrgeizes, der an den Realitäten des Regierens ohne eigene Mehrheit zerschellt.

Das Tidö-Abkommen — jener Vierer-Pakt zwischen Moderaterna, Kristdemokraterna, Liberalerna und Sverigedemokraterna — war darauf angelegt, Stärke und Geschlossenheit zu demonstrieren. Doch die Daten zeichnen ein differenzierteres Bild. Bei 109.259 in dieser Sitzungsperiode verarbeiteten Dokumenten erweist sich der legislative Durchsatz der Regierung als uneinheitlich. Moderaterna führt mit 1.299 Dokumenten, was seiner Stellung als größte Regierungspartei entspricht, doch die Verteilung unter den Koalitionspartnern offenbart asymmetrische Beiträge: Kristdemokraterna bei 387, Liberalerna bei 200 und Sverigedemokraterna, der Tolerierungspartner, der in vornehmer europäischer Gesellschaft ungern beim Namen genannt wird, bei 687.

Vielleicht noch aufschlussreicher sind die 2.308 Regelverstöße, die das automatisierte Compliance-Monitoring der CIA-Plattform erfasst hat. Die daraus resultierende Pro-Kopf-Verstoßrate ist zwar historisch nicht beispiellos, deutet jedoch auf ein Parlament hin, in dem die prozedurale Disziplin nachgelassen hat. Von den 402 derzeit überwachten Politikern fallen 78 in die Kategorie „Hochrisiko" — fast jeder Fünfte — ein Anteil, der genauere Betrachtung verdient, da der Wahlzyklus in seine letzten achtzehn Monate eintritt.

Parlamentarisches Geschehen

Der parlamentarische Kalender am Donnerstag war auffallend dünn besetzt — ein Muster, das der traditionellen Verlangsamung des Riksdag zur Wochenmitte vor dem Wochenende entspricht. Keine größeren Abstimmungen waren angesetzt, und die Ausschussarbeit fand weitgehend hinter verschlossenen Türen statt. Diese betriebliche Stille verbirgt jedoch den beträchtlichen Rückstau an legislativen Vorhaben, die auf ihre Behandlung im Plenum warten.

Das Ausschusssystem — der Maschinenraum der schwedischen Demokratie — hat in dieser Sitzungsperiode 8.740 Ausschussdokumente verarbeitet. Doch die entscheidende Kennzahl ist nicht das Volumen, sondern die wachsende Kluft zwischen eingereichten Dokumenten und getroffenen Entscheidungen. Die Risikobewertungsdaten der Ministerien offenbaren ein frappierendes Ungleichgewicht: 95,24 % der Ministeriumsperioden werden hinsichtlich des Entscheidungsdurchsatzes als „kritisches Risiko" eingestuft, und lediglich 4,76 % erreichen ein „hohes" Aktivitätsniveau.

Für die 349 derzeit amtierenden riksdagsledamöter (Parlamentsabgeordneten) sowie 69 verfügbare Ersatzmitglieder verspricht die Frühjahrssitzung eine Verdichtung der legislativen Geschäfte, die sowohl die prozedurale Ausdauer als auch die parteiübergreifende Verhandlungsbereitschaft auf die Probe stellen wird.

Regierungsbeobachtung

Die Halbzeitbilanz der Regierung Kristersson legt die inhärenten Spannungen offen, die mit dem Regieren über eine Tolerierungsvereinbarung einhergehen. Der Dokumentenausstoß der Moderaterna stellt den ihrer Koalitionspartner weit in den Schatten, was entweder auf größeren ministeriellen Eifer oder auf einen strukturellen Vorteil bei Personal und Ressourcen hindeutet, den kleinere Parteien nicht aufbieten können.

Diese Unterscheidung ist von Bedeutung. Wenn man Liberalernas 200 Dokumente den 1.299 von Moderaterna gegenüberstellt, drängt sich die Frage auf, ob der kleinere Koalitionspartner bei der Politikgestaltung marginalisiert wird — oder schlicht andere legislative Instrumente wählt. Beide Interpretationen haben politische Konsequenzen, je näher die Wahl 2026 rückt.

Oppositionsdynamik

Socialdemokraterna bleibt die produktivste Oppositionskraft mit 850 in dieser Sitzungsperiode eingereichten Dokumenten — eine Zahl, die sie auf den zweiten Platz hinter den regierenden Moderaterna setzt. Dieser Produktionsunterschied deutet auf eine Partei hin, die gleichzeitig die Regierungspolitik durchleuchtet und ihre eigene alternative Plattform für 2026 in Stellung bringt.

Vänsterpartiet mit 126 Dokumenten und Miljöpartiet mit 218 verfolgen gegensätzliche Oppositionsstrategien. Das geringere Volumen von Vänsterpartiet mag einen gezielteren Ansatz widerspiegeln — die Konzentration des Feuers auf weniger, dafür wirkungsvollere Themen —, während das vergleichsweise stärkere Auftreten von Miljöpartiet auf breitere politische Ambitionen hindeuten könnte, da die Partei nach ihrem Wahlrückschlag den Wiederaufbau anstrebt.

Centerpartiets 393 Dokumente rücken die Partei in eine interessante Mittelposition: aktiver als die meisten Oppositionsparteien, aber klar darauf fokussiert, sich einen eigenen politischen Raum zu schaffen, der sich sowohl vom Regierungsblock als auch von der traditionellen Linken abgrenzt.

Ausblick

Die parlamentarische Tagesordnung am Freitag dürfte dem typischen Wochenendmuster folgen: begrenzte Plenaraktivität, wobei die eigentliche Sacharbeit in den Ausschüssen stattfindet. In den kommenden Wochen jedoch rücken die Frühjahrshaushaltverhandlungen stärker in den Fokus — ein Prozess, der zeigen wird, ob die Tidö-Koalition ihre fragile Arithmetik durch die voraussichtlich kontroverseste Haushaltsdebatte seit 2014 aufrechterhalten kann.

Die Risikokennzahlen mahnen zur Vorsicht: Bei 19,4 % als Hochrisiko eingestuften und knapp 70 % als mittleres Risiko bewerteten überwachten Politikern könnte die zweite Hälfte der Parlamentssitzung Überraschungen hervorbringen, die die dünnen Mehrheitsverhältnisse der Koalition nicht verkraften können.

In Zahlen

Sitzungsperiode 2025/26 auf einen Blick

  • 2.494 im System erfasste Politiker
  • 3.529.786 erfasste Einzelabstimmungen
  • 109.259 verarbeitete Parlamentsdokumente
  • 2.308 gemeldete Regelverstöße
  • 8.740 eingereichte Ausschussdokumente
  • 327 derzeit amtierende Abgeordnete
  • 78 als Hochrisiko eingestufte Politiker (19,4 %)
  • 95,24 % der Ministeriumsperioden auf kritischem Risikoniveau für Entscheidungsdurchsatz

Diese Woche im Blick

  • Frühjahrshaushalt: Die Fähigkeit der Tidö-Koalition, mit SD-Unterstützung Haushaltsdisziplin zu wahren, wird in den kommenden Wochen auf die Probe gestellt.
  • Hochrisiko-Politiker: 78 Politiker (19,4 %) als Hochrisiko eingestuft — die Überwachung intensiviert sich in der zweiten Sitzungshälfte.
  • Koalitionsdynamik: Asymmetrische Dokumentenproduktion zwischen Koalitionspartnern deutet auf mögliche Spannungen vor der Wahl 2026 hin.